"Aargauer Bauwirtschaft ist systemrelevant" - die 109. Generalversammlung
Bei der GV vom 26. März 2026 im Campussaal Brugg-Windisch konnte Stefan Wittmer im ersten Teil rund 140 Personen, davon 63 stimmberechtigte Mitglieder, begrüssen. Der Präsident führte in gewohnt souveräner Art und Weise durch die GV und die Mitglieder genehmigten sämtliche Geschäfte, wie z.B. die Jahresrechnung 2025 und das Budget 2026, einstimmig. Da der Verband finanziell gut aufgestellt ist, war eine Anpassung des Mitgliederbeitags nicht notwendig und die Versammlung erteilte dem Vorstand die Décharge für die Rechnung 2025.
Die Schweizerische Bauschule, mit welcher der baumeister verband aargau als grösster Stifter eng verbunden ist, präsentierte zahlreiche Neuerungen, die demnächst umgesetzt werden.
Aargau ist attraktiv
Nach einer kurzen Pause begrüsste Stefan Wittmer eine grosse Zahl an Gästen aus Politik und Wirtschaft zum zweiten Teil der GV. In seiner Präsidialadresse ging er auf die aktuelle Lage der Aargauer Bauwirtschaft ein: «Trotz der instabilen Weltlage präsentiert sich die Baubranche in unserem Kanton stabil und die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Sorgen bereiten uns aktuell jedoch die steigenden Energiekosten, deren Auswirkungen unklar sind.» Der Präsident blickt jedoch optimistisch in die Zukunft: «Unserer Branche wird es weiterhin gut gehen. Unter anderem dank dem tiefen Leerwohnungsbestand und dem Wegfall des Eigenmietwerts. Umso unverständlicher sind jedoch die tiefen Margen.» Als Branchenziel nannte er das Beheben des Fachkräftemangels, welches mit diversen Massnahmen zur Förderung der Attraktivität erreicht werden soll. Ein Mittel dazu ist der neue Landesmantelvertrag 2026, auf den man sich mit den Gewerkschaften geeinigt hat.
Pascal Johner blickte in seinen flammenden Ausführungen auf den 7. November 2025 zurück. An jenem Tag erschienen Mitglieder der Gewerkschaft Unia auf einer Baustelle in Erlinsbach, nahmen sie in Beschlag, zündeten Rauchpetarden und riefen die Bauarbeiter zum Streik auf. In den Augen des Geschäftsführers war dies ein absolutes «No-Go», das sich in Zukunft nicht wiederholen darf.
Grussbotschaften von höchster Stelle
In ihrer Grussbotschaft bedankte sich Luzia Capanni, Gemeindepräsidentin von Windisch, für die erneute Durchführung der GV im Campussaal in Windisch. Sie wies darauf hin, dass sich ihre Gemeinde in einem grossen Wandel mit intensiver Bautätigkeit befinde.
Ständerat Thierry Burkart gratulierte der Branche zum weiteren Marktwachstum bei hohem Niveau und nannte die Baubranche systemrelevant: «Als Baumeister tragen Sie massgeblich zur Weiterentwicklung der Schweiz bei. Und dies bei vielen Hürden und Einsprachen, die zu Verzögerungen führen.» Er nannte drei Aufgaben, die das Land beschäftigen: «die Sicherheitspolitik, die Versorgungssicherheit und der Ausbau der Strasseninfrastruktur vor allem auf der A1 im Aargau, um den Verkehrskollaps zu vermeiden.»
Landammann Stephan Attiger erwähnte in seiner Grussbotschaft die hohe Bautätigkeit, die auch an der grossen Zahl an Baubewilligungen gut sichtbar ist: «Der Aargau ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitskanton und wächst um 10'000 Einwohner pro Jahr. Dies führt zu einer hohen Nachfrage an Dienstleistungen der Bauwirtschaft.» Als bedeutendes Bauprojekt mit grosser Signalwirkung nannte er VERAS (Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr), über das am 14. Juni 2026 abgestimmt wird.
Thomas Weibel, Vizedirektor SBV (Schweizerischer Baumeisterverband) stellte unter anderem Construix, die intelligente KI-Hilfe für die Baubranche, vor. Damit können Baufirmen hilfreiche Informationen abrufen.
Ehrungen
Unter dem Traktandum Ehrungen wurden René Landolt und Sepp Portmann in Anerkennung ihres langjährigen Engagements für die Baubranche zu Freimitglieder ernannt.
Daniel Peter, Vanoli AG Zofingen, und Markus Huber, Birchmeier Baumanagement, Döttingen, wurden für ihre bestandene Fachprüfung zum eidgenössisch diplomierten Baumeister geehrt.
Mit dem Wingsuit wie Supermann durch die Luft fliegen
Der Abschluss der GV stand ganz im Zeichen von «Nervenkitzel und Risiko im Extremsport». Mathias Wyss, Wingsuit-Pilot und Cyber-Security-Experte, präsentierte in seinem Referat spektakuläre Luftaufnahmen und betonte dabei, wie entscheidend es ist, vor dem Sprung die richtigen Entscheidungen zu treffen: «Manchmal muss man kurz vor Erreichen des Absprungorts aus Sicherheitsgründen, entgegen dem ursprünglichen Ziel, den Abstieg antreten. Dieser Schritt kann nach all den Strapazen des Aufstiegs sehr schmerzhaft sein. Denn: Wer gibt schon gerne kurz vor dem Ziel auf? Doch letztlich kann genau dies notwendig sein, um lebensbedrohliche Risiken zu vermeiden. Ein häufiger Auslöser dafür ist beispielsweise ein plötzlicher Wetterumschwung. Die Aufgabe hat dann nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit Erfahrung und dem Wissen, richtig zu entscheiden.» Gemäss Mathias Wyss lässt sich der Entscheid, etwas nicht um jeden Preis zu Ende zu bringen, auch auf Unternehmen übertragen: Aus Risikogründen kann es sinnvoll sein, ein Projekt abzubrechen, selbst dann, wenn es lange Zeit richtig erschien, es konsequent zu Ende zu führen.